Da schreiben einige Erzieher eines Kindergartens des größten Hamburger Kita-Trägers in einem netten Brief an Kinder und Eltern, den wir von einer Kollegin gezeigt bekommen haben.

Konkret heißt es neben verschiedenen Nettigkeiten und guten Wünschen in offensichtlich vorauseilendem Gehorsam:

„…Ihr habt bestimmt schon mit euren Eltern die neuen Verhaltensregeln besprochen und eingeübt und kennt diese schon längst:

  • Abstand halten.
  • Mindestens 30 Sekunden mit warmem Wasser und Seife die Hände waschen.
  • In den Ellenbogen husten und niesen.
  • In Geschäften Maske tragen.

Bitte übt das fleißig weiter, damit ihr in Zukunft gar nicht mehr darüber nachdenken müsst und es für Euch ganz normal wird, auf euch und andere zu achten. …

Wir müssen darauf achten, dass auch wir uns an die oben genannten Regeln halten. …“ (Gezeichnet maschinell mit Vornamen von 6 Angestellten).

Eine schriftliche Anfrage an die Pressestelle des Trägers wurde folgendermaßen beantwortet:

„…vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihre Rückmeldung. Ich habe mir den Brief des Kitateams angesehen und bedaure, dass Sie daraus erlesen, die Kita würde die Kinder zum Tragen einer Maske auffordern und dass sie darin eine unzumutbare und unzulässige Vorgehensweise sehen. Ich kann Ihnen zurückmelden, die Elbkinder schreiben Kindern nicht vor eine Maske zu tragen.

Nach meinem Dafürhalten richtet sich der besagte Brief nicht an die Eltern, sondern an die Kinder selber. Die Idee, Kinder in einem Brief direkt anzusprechen, finde ich grundsätzlich positiv. Die Erzieher*innen versuchen nach meiner Interpretation lediglich den aktuellen Umstand zu beschreiben, dass auch die Kinder die Verhaltensänderungen zu Coronazeiten erleben. Es gehört auch zu ihrer Lebenswirklichkeit, dass Menschen Abstand zu ihnen halten und Sie Menschen mit Masken begegnen. Im schlimmsten Fall ist der Absatz etwas schnell geschrieben, diese Ausführung jedoch als Eingriff in die Erziehungshoheit von Eltern zu sehen, teile ich nicht.

Daneben wundere mich schon sehr, dass dieser Brief einen solchen Unmut bei Ihnen auslöst und Sie sogar dazu veranlasst, rechtliche Schritten gegen die Elbkinder zu erwägen. Ihr Anliegen dahinter ist mir nicht klar. Auf welchem Wege Ihnen dieser Brief zugegangen ist, habe ich aus Ihrer Anfrage ebenfalls nicht erlesen können. Ich kann Ihnen versichern, dass wenn eine Kita-Information bei unseren Kita-Eltern zu Missverständnissen, Irritationen oder auch mal Unmut führt, wir ein Interesse daran haben, dies im persönlichen Kontakt schnell aufzuklären bzw. zu erklären. Ich möchte Sie daher um folgendes bitten, wenn Familien Ihnen gegenüber so etwas erklären, bestärken Sie sie gerne darin, sich vertrauensvoll an die Kita-Leitung vor Ort zu wenden.

Ich gehe daher davon aus, dass diese Angelegenheit für Sie hinreichend beantwortet wurde und wünsche Ihnen beiden einen schönen Feiertag morgen. …“

Erledigt ist/war unsere Anfrage mitnichten, weshalb wir erneut eine Mail an die Pressestelle schickten, mit der Forderung, den Brief durch ein erneutes Schreiben richtigzustellen und die Erzieherinnen disziplinarisch/arbeitsrechtlich in die Pflicht zu nehmen. Außerdem kündigten wir an, das Schreiben zu veröffentlichen, um dieses widersprüchliche Verständnis des Textes durch weitere Leser zu klären. Eine erneute Antwort erhielten wir nicht.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihr Verständnis und ihren Standpunkt mitteilen würden.